Wie ist es, wenn der eigene Vater nicht nur zu Hause der „Chef“ ist, sondern auch die Firma leitet, für die man arbeitet? Bei Pan Oston teilen sich Ralf (60) und Bart (25) nicht nur den Nachnamen, sondern seit kurzem auch den Arbeitsplatz. In Raalte, wo jedes Jahr Tausende von Kassentische und Selbstbedienungskassen vom Band laufen, gestalten sie gemeinsam als Geschäftsführer und Junior-Vertriebsleiter die Zukunft.
Die Montagehalle bei Pan Oston bietet einen beeindruckenden Anblick. Wo man auch hinschaut, sind Kassen, Selbstbedienungskassen und Selbstbestellsysteme im Aufbau. Für Ralf ist das vertrautes Terrain. Seit zwanzig Jahren ist er hier im Einsatz, kennt jedes Produktdetail und hat das Wachstum des Unternehmens miterlebt. Doch seit Kurzem hat er Gesellschaft von einem Familienmitglied bekommen: Nachdem er sich im Ausland umgesehen hatte, hat sich sein 25-jähriger Sohn Bart schließlich für eine Stelle in Raalte entschieden.
VOM KÜCHENTISCH ZUR PRODUKTIONSHALLE
Wer glaubt, diese Herren würden zu Hause komplett abschalten, um sich ganz auf das Familienleben zu konzentrieren, irrt sich. „Nein, wir reden nie über die Arbeit“, scherzt Bart mit einem Augenzwinkern. Ralf lacht und gibt sofort zu: „Laut meiner Frau Gerlinde reden wir tatsächlich über nichts anderes. Oft fängt es schon beim Abendessen an. Wir unterhalten uns über dieses oder jenes kleine Projekt oder eine Herausforderung. Ehe wir uns versehen, sind wir beide in eine tiefgründige Diskussion vertieft, während meine Frau still daneben sitzt. Zum Glück haben wir eine gute eingebaute Bremse: Wenn es wirklich zu lange dauert, macht sie uns einen Strich durch die Rechnung. ‚Das könnt ihr morgen bei der Arbeit weitermachen‘, sagt sie.“
Es gibt allerdings keine richtigen Streitigkeiten oder ernsthaften Konflikte. Laut Bart handelt es sich eher um einen ständigen Diskussionsfluss. „Wir fordern uns gegenseitig heraus und versuchen, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Wie gehst du das an? Warum machst du das so? Es ist eine Art gegenseitige Befruchtung zwischen unseren Rollen.“
MORGENROUTINE: ME-TIME VS. VOLL DURCHSTARTEN!
Es beginnt oft schon früh am Morgen. Wenn beide Männer am selben Ort sein müssen, fahren sie gemeinsam zur Arbeit. Und genau zu dieser frühen Stunde wird der Unterschied in ihren Persönlichkeiten schmerzhaft deutlich.
„Ich schätze meine Ruhe am Morgen sehr“, erklärt Ralf. „Eine schöne halbe Stunde im Auto, beim Aufwachen mit leise laufendem Radio. Aber Bart? Bart ist jemand, der sofort ‚aufgedreht‘ ist. Er kommt in die Küche und fängt sofort an, voller Energie drauflos zu plaudern. Das geht dann im Auto einfach so weiter: direkt mitten ins Geschehen. Manchmal muss ich mich wirklich erst daran gewöhnen, aber insgeheim macht es mir natürlich auch großen Spaß.“
Die Tatsache, dass sie eine Familie sind, bringt am Arbeitsplatz einen großen Vorteil mit sich: völlig ungefilterte Ehrlichkeit. Ralf: „Ich habe nicht das Gefühl, dass uns unsere familiären Bindungen behindern. Im Gegenteil. Komplimente oder Kritik zu äußern, fällt uns ganz natürlich, genau wie wir es von zu Hause gewohnt sind. Ich ändere meine Herangehensweise nicht, nur weil Bart mein Sohn ist.“ Bart fügt hinzu: „Weil man sich in- und auswendig kennt, ist das Feedback, das man bekommt, unglaublich aufrichtig. Das funktioniert wirklich gut. Zum Glück arbeiten wir nicht den ganzen Tag direkt zusammen und es sind meist andere Kollegen dabei, sodass wir uns nicht gegenseitig ins Gehege kommen.“

VONEINANDER LERNEN
Auch wenn man Ralf als Mentor und Bart als Lehrling betrachten könnte, ist das Verhältnis in Wirklichkeit viel ausgeglichener. Sie lernen ständig voneinander. Auf die Frage, was Ralf von seinem Sohn gelernt habe, antwortet er etwas defensiv: „Geduld. Ich neige dazu, ziemlich schnell die Geduld zu verlieren, besonders wenn es auf technischer Ebene nicht auf Anhieb klappt. Meine Kollegen werden das zweifellos bestätigen. Bart ist derjenige, der mich korrigiert und ruhig sagt: ‚Nimm’s locker.‘“
Umgekehrt hat Bart tatsächlich die Entschlossenheit seines Vaters übernommen. „Ich neige manchmal dazu, Dinge zu sehr zu überdenken und die Vor- und Nachteile zu lange abzuwägen. Bei meinem Vater dreht sich alles darum, aktiv zu werden. Entscheidungen zu treffen, nicht zu lange zu warten und voranzukommen. Das ist eine unglaublich wertvolle Lektion.“
DIE SUMME DER TEILE
Was sie verbindet, ist ihr Charakter: Beide sind geradlinig und zielorientiert. Doch ihre individuellen Talente unterscheiden sich enorm, und beide Männer sprechen darüber mit großem gegenseitigem Respekt.
Barts Stärke (laut Ralf): „Bart ist unglaublich schlagfertig. Schon als Kind hat er mich immer so zum Lachen gebracht, aber auch beruflich versteht er es, eine ernste Diskussion mit einem einzigen, geschickt gewählten Wort sowohl locker als auch professionell zu gestalten. Außerdem ist er mir in Sachen Intellekt und Intelligenz weit voraus. Vor allem, wenn es um neue Technologien wie KI geht. Manchmal bin ich fast neidisch und denke: Ich bin zu früh geboren worden; ich hätte in diesem Hightech-Zeitalter jung sein sollen.“ Ralfs Stärke (laut Bart): „Mein Vater verfügt über einen riesigen Schatz an Fachwissen und Erfahrung. Bei jedem Projekt, an dem ich arbeite, nimmt er mich gründlich in die Mangel: ‚Hast du darüber nachgedacht? Und darüber? Und was ist mit dem?‘ Das zeigt, wie viel er weiß. Und das liegt nicht nur an seinem Alter; es ist reine intrinsische Motivation und Neugier, die er seit zwanzig Jahren bewahrt hat.“
PAN OSTONS „KLÜGSTER MENSCH“
Es ist offensichtlich, dass die beiden Männer es genießen, sich gegenseitig herauszufordern, wenn das Gespräch auf ihre Freizeit kommt. Sollte jemals ein Kamerateam für eine Fernsehsendung auftauchen, wissen sie bereits genau, für welche sie sich anmelden würden: „2 vor 12“
„Wir sind beide verrückt nach Quizshows und aktuellen Themen“, sagt Ralf. „Was passiert gerade in der Welt? Was passiert um uns herum? Das beschäftigt uns beide.“ Hin und wieder spielen sie auf ihren Handys gegeneinander, zum Beispiel mit der App „De Slimste Mens“. Ralf kann sich eine kleine Stichelei nicht verkneifen: „Ich gewinne übrigens meistens öfter als er.“ Bart antwortet sofort mit einem strahlenden Lächeln: „Das sagst du nur, weil eine Kamera auf dich gerichtet ist!“ Worauf Ralf trocken den Daumen hochhebt: „Ich kann dir die Statistiken im Handumdrehen zeigen, weißt du.“
Ob es nun um komplexe technische Fragen in der Fabrikhalle geht, um hitzige Diskussionen am Küchentisch oder um einen freundschaftlichen Wettstreit in einer Quiz-App: Die Dynamik zwischen Ralf und Bart vereint das Beste zweier Generationen. Und genau das ist der Treibstoff, der Pan Oston in diesen Zeiten des raschen Wandels vorantreibt.
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